Heißhunger während der Schwangerschaft

Jeder kennt die klischeebeladenen Bilder von Frauen mit Kugelbäuchen, die sich genüsslich saure Gurken mit Schokocreme oder Lachsfilet mit Marmelade in den Mund schieben. Neben solch ungewöhnlichen Kombinationen erstaunt oft auch die Dringlichkeit, mit der die Schwangere nach einem bestimmten Lebensmittel verlangt. Warum es zu dieser Art von Heißhunger kommt, kann man verstehen, wenn man sich etwas genauer mit den Bedürfnissen in der Schwangerschaft befasst. Dabei klärt sich auch die Frage, ob Schwangere einfach alles essen sollten, worauf sie unbändige Lust verspüren.

Was will der Körper durch den Heißhunger sagen?

Um alle nötigen Nährstoffe zu bekommen, sendet der menschliche Körper mitunter Appetitsignale aus, die dazu bewegen sollen, etwas Passendes zu essen. Leider ist der Körper kein Experte für moderne Lebensmittelerzeugnisse und kann nur vermuten, in welchen Speisen und Getränken sich welcher Mineralstoff oder welches Vitamin verbirgt. Ist dieser Umstand bereits außerhalb der Schwangerschaft eine bedenkliche Angelegenheit, so wird er mit Babybauch noch wichtiger, da man Verantwortung gegenüber dem Ungeborenen hat. „Nicht doppelt so viel, sondern doppelt so gut essen“ gilt als Leitsatz für moderne Ernährung in der Schwangerschaft. In den meisten Fällen holt sich das Baby die Nährstoffe, die es braucht, aus den Speichern der Mutter. Dieser zunächst beruhigende Fakt bedeutet aber auch, dass die Schwangere sich selbst diverse Beschwerden ersparen kann, wenn sie so isst, dass Mangelerscheinungen ausbleiben. Dazu möchte der Heißhunger verhelfen, auch wenn er mitunter anstrengend ist.

Wie kommt es zu Essgelüsten in der Schwangerschaft?

Die Umstellung des Hormonhaushalts im Körper der Schwangeren führt nicht nur zu typischen Beschwerden wie Übelkeit oder Müdigkeit, sondern oft auch zu sehr häufigem Hunger oder kurzfristigem Heißhunger. Durch die gestiegene Menge des Hormons Beta-HCG verändern sich Geruchssinn, Speichelzusammensetzung, Essensvorlieben und Geschmackssinn. Intuitiv versucht der Körper zudem, Fettreserven aufzubauen, um das Baby und die stillende Mutter durch eine eventuell auftretende Phase mit mangelhaftem Nahrungsangebot zu bringen. Deshalb haben vor allem schlanke Frauen in der Schwangerschaft oft Heißhunger auf Deftiges und Süßes. Neben solchen allgemeineren Hungerattacken gibt es phasenweise Appetit auf bestimmte Substanzen. Hier ein paar Beispiele, aber es sind natürlich noch andere Formen möglich, da es erheblich mehr Nährstoffe gibt.

 

Ursache Symptom Empfehlung
Mangel an Proteinen z.B. Appetit auf Spiegelei gesünder: z.B. grüne Erbsensuppe
Mangel an essentiellen Fettsäuren und B-Vitaminen Lust auf z.B. Schokolade oder Eiscreme besser: regelmäßig Nüsse, Leinöl, Kräuter
Beta-Carotin-Mangel Verlangen nach z.B. Dosen-Pfirsichen besser: frisches Obst oder Möhren
Eisenmangel Heißhunger auf z.B. Pizza oder Steak gesünder: Rote-Bete, Traubensaft oder Feldsalat

Planvolle Ernährung: Kleine Sünden erlaubt

Dass die Schwangerschaft keine Zeit für Diäten ist, ist mittlerweile allgemein bekannt. Hemmungslos jedem Heißhunger nachzugeben, kann zu Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck und anderen Beschwerden führen. Die Lösung ist der Mittelweg zwischen vernunftbetontem Essen und Momenten mit ungesunden Genüssen. So kann man sich beispielsweise für jeden Tag oder jede Woche ein Budget für Süßigkeiten oder Fettreiches anlegen und Regeln aufstellen. Bei vielen Frauen kommt es allerdings gar nicht zu Heißhunger in der Schwangerschaft, wenn sie sich ausgewogen, abwechslungsreich und ausreichend ernähren. Die Basis dafür bilden rund 2 Liter kalorienarme Flüssigkeit am Tag sowie verschiedene kleinere Mahlzeiten, die wenig Fett, aber viel Kohlenhydrate und Eiweiß enthalten. Ob die Versorgung mit Mikronährstoffen, wie Eisen oder Folsäure, ausreichend ist, kann die Hebamme oder die Frauenärztin per Bluttest bestimmen.