Ungewollt abnehmen – Gründe für den passiven Gewichtsverlust

Wer innerhalb eines Vierteljahres mehr als fünf Prozent oder binnen sechs Monaten mehr als zehn Prozent seines Gewichtes verliert, sollte seinen Hausarzt aufsuchen. Doch auch außerhalb des medizinisch relevanten Bereichs kommt es nicht selten vor, dass Menschen ungewollt abnehmen. Schwierig wird es vor allem, wenn echtes Untergewicht entsteht, welches in nahezu jedem Fall die Lebenserwartung verkürzt.

Nicht gedeckter Gesamtenergiebedarf

Viele Menschen in den wohlhabenden Ländern möchten abnehmen. Sie hätten gern ein geringeres Körpergewicht, um sich wohler und gesünder zu fühlen. Und oft ist dies auch aus medizinischer Sicht ratsam. Eine gar nicht so geringe Anzahl von Frauen und Männern verschiedener Altersklassen aber hat genau das gegenteilige Problem: Sie verlieren Gewicht, ohne das dies beabsichtigt wäre. Dieses passive oder ungewollte Abnehmen kann vielerlei Gründe haben. Verbreitet ist etwa der Appetitverlust während einer akuten Krankheit. Aber auch Veränderungen im Lebensstil können zu ungewolltem Abnehmen führen.

Im Allgemeinen führt ein erhöhter Energieverbrauch bei verminderter Nahrungsaufnahme dazu, dass der Körper zunächst an die Zuckerspeicher, dann an die Fettvorräte und schlussendlich an das Körpereiweiß geht. Wird der Gesamtenergiebedarf über längere Zeit nicht gedeckt, droht der Abbau von Muskeln. Obacht sollte man auch vor dem Jo-Jo-Effekt haben, damit es bei der Rückkehr zur normalen Kost bzw. Nahrungsmenge nicht zu Heißhunger und einem ungesunden Auf-und-ab des Gewichts kommt.

Ungewollt abnehmen aus verschiedenen Gründen

Sylvia V. etwa war 38, als sie wegen einer länger ausbleibenden Regelblutung ihre Gynäkologin aufsuchte. Diese schloss eine Schwangerschaft aus, wurde aber hellhörig, als Sylvia von Schwindelgefühlen und unerklärlicher Müdigkeit berichtete. Ein Gespräch über die aktuelle Lebenssituation ergab: Neben einer neuen beruflichen Herausforderung, einer neuen Liebe und der Sorge um ihre pubertierende Tochter hatte sie vergessen, auf ihre eigene Ernährung zu achten. Ein Bluttest ergab verschiedene Nährstoffmangel, so dass Sylvias körperliches Befinden nach einigen Monaten wieder besser wurde, in denen sie u.a. Eisentabletten einnahm und auf eine regelmäßige, ausreichende Kalorienzufuhr achtete.

Neben einem aktiven Lebensstil voller Reisen, Sex, Sport, Familien- und Haushaltspflichten, Hobbies oder beruflichen Anstrengungen können leider auch zahlreiche Krankheiten dazu führen, dass die Summe aus kalorischem Arbeitsumsatz und Grundumsatz höher ausfällt als die zugeführte Kalorienmenge.

Holger G. zum Beispiel ist in einem ähnlichen Alter wie Sylvia, unternimmt jedoch weniger, da er schon seit Jahren Probleme mit Magen und Darm hat. Dazu kommen psychische Probleme, die ihn oft vor Angst nicht essen und schlecht schlafen lassen. Als er bemerkt, dass er ungewollt immer mehr Gewicht verliert, befürchtet er eine chronische Darmentzündung und sucht seinen Hausarzt sowie später einen Gastroenterologen auf. Mithilfe bildgebender und laborchemischer Untersuchungsverfahren bestätigt sich der Verdacht auf Colitis ulcerosa. Eine Umstellung der Ernährung und entzündungshemmende Medikamente können seine Lebensqualität schließlich wieder verbessern.

Ausführliche Anamnese zur Klärung nötig

Die Fallbeispiele illustrieren die Gesamtproblematik, wobei es, wie Dr. med. Claudia Osthoff in der Apotheken Umschau aufführt, folgende Gruppen von Ursachen für ungewollte Gewichtsabnahme gibt:

  • Erkrankungen, bei denen der Energieverbrauch erhöht ist
  • Höheres Lebensalter
  • Erkrankungen, bei denen der Energiebedarf erhöht ist
  • Psychische Erkrankungen
  • Medikamente, Genussmittel, Drogen
  • Erkrankungen, die mit verminderter Nahrungsaufnahme einhergehen, wobei der Energiebedarf erhöht sein kann

Nach einiger Zeit kann eine Mangel- und Unterernährung zu Mangelerscheinungen führen, die diverse Organe schädigen. Außerdem lassen sich verschiedene Krankheiten bei frühzeitiger Diagnose einfacher behandeln. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig nach den Ursachen zu forschen, die einen ungewollt abnehmen lassen.